Geschichte der Fakultät für Sozialwissenschaften

Die Wurzeln der Mannheimer Fakultät für Sozialwissenschaften reichen bis in die Zeit der 1907 gegründeten Staatlichen Handelshochschule zurück. Nachdem die Staatliche Handelshochschule 1933 aufgelöst und 1946 als Staatliche Wirtschaftshochschule wiedergegründet wurde, wurde 1956 erstmals ein Lehrstuhl für Soziologie eingerichtet. 1957 wurde Eduard Baumgarten auf diesen Lehrstuhl berufen. Damit siedelte auch das Forschungsinstitut der George-Washington-Stiftung von Stuttgart nach Mannheim über. Nach dem Ausbau der Sozialwissenschaften in den sechziger Jahren entstand 1969 die heutige Fakultät für Sozialwissenschaften der Universität Mannheim, die seit 1972 im Seminargebäude A5 untergebracht ist. Eine Reihe bedeutender Hochschullehrer wie Hans Albert, Martin Irle, Rainer M. Lepsius und Rudolf Wildenmann prägten das Profil der Mannheimer Sozialwissenschaften in den ersten Jahrzehnten. 1976 charakterisierte Rainer M. Lepsius dieses Profil als "die Betonung der empirischen Sozialforschung bei gleichzeitiger geistes- und theoriegeschichtlicher Problemreflexion"[*]. 

1968 wurde der Sonderforschungsbereich 24 (SFB 24) "Sozial- und wirtschaftspsychologische Entscheidungsforschung" von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) auf Initiative von Prof. Dr. Martin Irle eingerichtet. Dieser SFB, der sich zum Ziel gesetzt hatte, auf der Grundlage von sozialpsychologischen Theorien und unter Anwendung empirischer Forschungsmethoden individuelle und kollektive Entscheidungsprozesse zu untersuchen, entwickelte sich unter seinem langjährigen Sprecher zwischen den Jahren 1968 und 1983 zu einem der erfolgreichsten SFBs in der Geschichte der DFG. 

1989 wurde das Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES) gegründet, das sich der Erforschung der gesellschaftlichen, sozialen und politischen Verhältnisse in Europa widmet. Schwerpunkte liegen auf der vergleichenden Europaforschung und der Untersuchung des europäischen Integrationsprozesses. Das Interesse gilt den kulturellen, sozialen und wohlfahrtsstaatlichen Grundlagen der Lebensbedingungen der Menschen in den Ländern Europas. Erforscht werden auch die Veränderungen der europäischen politischen Systeme, die europäischen und nationalen politischen Ordnungsstrukturen sowie die politischen Verhaltensweisen der Bürger. 

Bis 1996 umfasste die Fakultät für Sozialwissenschaften die Disziplinen Soziologie, Sozialpsychologie und Politikwissenschaft. 1996 wurde das Fächerspektrum um die Psychologie und 2000 bis 2002 um die Erziehungswissenschaft erweitert. Diese Verbindung unterschiedlicher Disziplinen ist nicht zufällig entstanden, sondern entspricht dem empirischen Wissenschaftsverständnis, das seit den sechziger Jahren die Mannheimer Sozialwissenschaften auszeichnet. 

Heute studieren ca. 1.500 Studierende an der Fakultät und werden dabei von 36 ProfessorInnen und mehr als hundert akademischen MitarbeiterInnen unterrichtet. In zahlreichen Rankings belegen die einzelnen Fächer der Fakultät im internationalen wie nationalem Vergleich immer wieder Spitzenpositionen. 

Die Lehre profitiert in vielfacher Hinsicht von den Forschungsanstrengungen der Fakultät. Sie ist international und national durch zahlreiche Forschungsprojekte vernetzt. Eine solche starke Forschungsorientierung ermöglicht Studierenden schon frühzeitig eine Einbindung in Forschungsprojekte. Durch diese Einbindung kann auch eine Vielzahl an in der beruflichen Praxis notwendigen Kompetenzen erworben werden.


* Lepsius, Rainer (1976): Die Fakultät für Sozialwissenschaften, in: Gaugler, Eduard u.a. (Hg.): Die Universität Mannheim in Vergangenheit und Gegenwart, Mannheim